Fünfunddreißig Jahre her
ist das Abi. Ach, wie sehr
eilt die Zeit. In uns’rer Mitten
die Fünfzig ist weit überschritten.
Voran auf dieser Jahresleiter
geht es Schritt für Schrittchen weiter.
Des einen Umfang wächst diskreter
Jahr für Jahr um Zentimeter.
Ein and’rer, gegen seinen Willen,
kann nur lesen noch mit Brillen.
Sogar die Enkel sind schon da:
der Bub von gestern Großpapa!
Auch der Lehrer. einst ein schlanker,
wird wie andere oben blanker.
Doch was einst vielleicht verpönt
hat der Abstand längst verschönt.
Er darf Peinliches verschleiern,
die Klasse soll zurecht heut feiern.
Nach all den Jahren weiß man jetzt:
So manches hat sich wohl gesetzt.
Hier sitzt der BETSY auf der Mauer
und sinnt und denkt, wird immer schlauer,
womit in fernen Zukunftstagen
er kann erfreu’n der Freunde Magen
und plätschernd, wie der Brunnen fließt,
was er in deren Gläser gießt.
Nach vielen Jahren weiß man jetzt,
so mancher hat sich abgesetzt.
Nicht so, wie es der LUPO tut,
der auf den dicken Stämmen ruht.
Will einer von uns nicht mehr laufen,
empfiehlt er, Siebener zu kaufen,
viel Kilowatt und Lendenstütze,
das notfalls auch mit grüner Mütze.
Leider haben sich entfernt
der WALTER und HOLZAPFELs Bernd.
Ich lobe den, dem es gelingt,
sie her in unsre Runde bringt.
Das gleiche gilt, ich meine doch,
für Wolfgang RÖSSER und Klaus KOCH,
die einst in Miltenberg dabei.
Die Wanderkleidung? Letzter Schrei!
Hemden weiß, Schuhe blank, lange Hose weiter oder enger,
hier Hochwasserart, dort schleifend bügelfaltig länger.
Auch der Uli FALKENBERG
war mit auf dem Dreisesselberg,
wo Felspfannkuchen aufgeschichtet.
Der Klauser bangt und abwärts flüchtet,
weil vielleicht der Felsen kippelt.
Vergnüglich schaut die Oma TIPPELT,
weil sie für Angstzustände hat
ein pharmazeutisch Präparat.
Der Blacky SCHWARZ inspiziert die Ritzen,
ob die Klötze wirklich sitzen,
und meldet rotbestrumpft ganz kühl:
Mein Stahlbau, der ist mehr stabil.
Ein Teil von uns, der Hans J. DÖRR,
Schon lange nichts mehr von ihm hör’!
Den Lehrer für Englisch und Kunst
suchen wir bisher umsunst.
Damals schon probt er Kunstgenüsse
vor Heidelberger Schlosskulisse.
Fünf Leute in dem halben Kreise
befinden sich auf Mainflussreise.
Ein Sonderfall, ein ziemlich krasser:
Der PJOTR sitzt hier über Wasser,
nicht drin wie sonst mit SIMMEROCK,
sozusagen Trockendock.
(Man reiche ihm mal schnell ein Bier,
ihm ist’s sonst viel zu trocken hier!)
Man sieht, er überlegt sich Recht,
einen Anwalt gar nicht schlecht.
Der Bernd ist leider länger schon
ins ferne Ruhrgebiet entflohn.
Der BENNO in der rechten Ecke
klebt fest am heimatlichen Flecke,
wo andrer Wind die Haare bläht,
wenn Schule er und Ort vorsteht.
Aus dieser etwas größer’n Gruppe
greif ich den ROLF aus unsrer Truppe,
fast ganz links außen – politisch nicht –
blickt er in braune Donaugischt,
wo der berühmt Strudel wallt.
Den Kajakfahrer lässt das kalt.
Der ULI P., man soll’s nicht meinen,
schaut nach den schönen Frauenbeinen
und kehrt auf diesen Donaubrücken
der schönen Altstadt schnöd den Rücken.
Vorüber ist das Glück geeilt,
als man in Regensburg geweilt.
So kümmert er sich heut bescheiden
um Mathe-Physik-Schülerfreuden.
Wen sieht man hier bei Sonnenschein
gemütlich schmausen mit noch zwein?
Der FRIEDEMANN hat vor der Knien
im Rucksack dicke Batterien
von Broten, Flaschen und zahlreicher
Sachen, um den leeren Speicher
seiner Energien zu laden.
Das kann bei Sonnenschein nicht schaden.
Wie kommt man vorzugsweise trocken
auf den im Teich liegenden Brocken?
Natürlich, die Karriereleiter
befördert unsre Leute weiter.
Der KARSTEN hat sich unbenetzt
dort oben erst mal abgesetzt,
schaut nach rechts so leicht verächtlich:
“Meine Leistung war beträchtlich,
das Klassenamtsgericht gibt mir
zurecht schon lang den Vorsitz hier.“
Hinter ihm mit blankem Knie
HELMUT studiert Biologie,
Warum soll er nicht beim Stehen
auch fernes Biotop erspähen
mit dem Fotoapparat
(so er wirklich einen hat).
Der EDE hockend ganz kompakt
mit nacktem Bein sucht Felskontakt
und erfährt so viel genauer,
ob das hier basisch oder sauer.
Und es sagt das linke Knie,
dass zur Zeit stimmt die Chemie.
Selbst wenn im Sommer Schnee bedeckt.
was unten in der Erde steckt,
das zweite Chemiker-Blank-Bein
kann doch nur der Norbert sein.
Ohne Schnupfen sich zu holen
testet er die Aerosolen
in denn schönen Rachelwald.
In Lederhosen ist’s nicht kalt.
Der PEFF ihm klar den Rücken zeigt
und gibt sich gänzlich abgeneigt.
Vielmehr, so fragt er sich recht bald:
“Führt mein Weg hier rechts am Wald?“
Der HEINRICH sinnt und denkt – so ist er –
und steht und schaut mit dem Tornister,
warum sich – and’re könn’s bezeugen –
zwei Kerle vor ihm niederbeugen,
um weiße Klumpen rund zu ballen.
Was ist ihnen nur eingefallen?
Sind es aggressive Triebe
nur der Psychologie zuliebe?
Mit solchem Schneeexperiment
Charakterzüge er erkennt.
Heinrich lässt es still geschehn,
statt verordnend vorzustehn.
Der Betzie hat sich mit Bedacht
schon ein Handy mitgebracht.
Das klingelt laut und er sagt: Biste
still jetzt mit der Klassenliste?
Na gut! Ich hoffe, keiner ist erbost.
Und nichts für ungut! Also „Prost!“